Eine neue Geschichte erstmals schriftlich!?

06.10.2010 07:58 von Sebastian Lau (Kommentare: 7)

Wie einer zu Gott ging, sich zu beschweren

Es war einmal ein Mann, der wollte zu Gott gehen, um sich zu beschweren, da er meinte, er hätte in seinem Leben noch nie so richtig Glück gehabt. Er hatte gehört, Gott würde in einem Wald wohnen, also machte er sich auf den Weg, ihn zu suchen. Er fand den Wald, in dem Gott leben sollte.

Kaum hatte er diesen betreten, traf er auf einen Wolf. „Wohin des Wegs?“ fragte der Wolf. „Ich will zu Gott, mich beschweren, dass ich noch nie so richtig Glück hatte.“ Antwortete der Mann. „Ei, wenn Du zu Gott gehst, dann frage ihn doch, warum ich immer so hungrig bin.“ „Gut, das mache ich.“ Der Mann setzte seinen Weg fort und erblickte kurz darauf ein junges und wunderschönes Mädchen, das saß auf einem Baumstumpf und weinte. „Sag, warum weinst Du?“ „Ach immer bin ich so allein im finsteren Wald. Kaum, dass sich mal einer hierher verirrt. Und was willst Du hier?“ „Ich bin auf dem Weg zu Gott. Ich werde mich beschweren. Alle anderen haben Glück, nur ich nicht.“ „Ach, wenn Du zu Gott kommst, dann frag ihn doch bitte, was ich tun soll, damit ich nicht mehr so allein bin.“ „Gut, das mach ich.“ Nachdem der Mann eine ganze Weile weitergegangen war, geriet er an ein Flussufer, da stand eine große Weide, die rief ihm zu: „Wer bist Du, wohin willst Du?“ „Ich bin irgendwer und auf der Suche nach Gott.“ „Gott wohnt auf der anderen Seite des Flusses, aber was begehrst Du?“ „Nun, ich werde mich beschweren, da ich noch nie so richtig Glück gehabt habe in meinem Leben.“ „Meine Zweige werden Dich hinüber geleiten, doch bitte ich Dich, frage Gott, warum ich immer so durstig bin.“ „Gut, das werde ich machen.“ Der Mann stieg über die Zweige des Baumes zur anderen Seite des Flusses.

Und siehe da, tatsächlich fand er Gott auf einer Lichtung. „Gott, ich bin gekommen, um mich zu beschweren. Alle anderen haben Glück, nur ich nicht.“ „So, Du willst also glücklich sein, ja? Nun, das ist ganz einfach. Gehe nach Hause und fortan wirst Du Dein Glück finden.“ „Was, so leicht soll das sein?“ „Ja, so leicht ist es, gehe nur nach Hause.“ Schon wollte der Mann davoneilen, als ihm Gott nachrief: „Hast Du nicht noch andere Fragen?“ Da fielen dem Mann die Weide, das Mädchen und der Wolf wieder ein, er stellte ihre Fragen, hörte wohl auch die Antworten, doch war er in Gedanken schon auf dem Weg nach Hause, zu seinem Glück. Nur halb vernahm er die Worte, und als Gott ausgesprochen hatte, lief er los, so schnell er konnte. „Nach Haus, nach Haus, nur schnell nach Haus, zu meinem Glück.“ rief er sich selbst immer wieder zu.

Am Fluss angelangt kletterte er über die Zweige der Weide an das andere Ufer und rannte weiter. „Halt, halt, nicht so eilig, was hat Gott gesagt, warum ich immer so durstig bin.“ Im Rennen hörte der Mann die Worte der Weide und hastig im Laufen schrie er ihr zu: „Ach, ich habe keine Zeit, ich muss nach Hause, mein Glück finden. Warte, was hat er gesagt? Ach ja, Deine Wurzeln reichen nicht bis ans Wasser, da zwischen ihnen eine Schatztruhe eingeklemmt ist. Aber ich muss weiter, weiter.“ Immer schneller lief der Mann über Stock und Stein, bis er an dem Mädchen vorbeikam. „Halte ein, was hat Gott gesagt, was soll ich tun, damit ich nicht mehr so allein bin.“ „Keine Zeit, muss zu meinem Glück, warte, er meinte, heirate den nächsten Mann, dem Du begegnest.“ Und noch bevor das Mädchen auch nur ein weiteres Wort sprechen konnte, war er auf und davon. Fast schon konnte er die Sonne hinterm Wald sehen, ahnte schon sein Heim, da stieß er auf den Wolf. „Nicht so eilig. Sag, was meint Gott, wie kann ich wohl meinen ewigen Hunger stillen.“ Und kurz innehaltend, nach Atem ringend, antworte der Mann: „Du sollst den erstbesten Narren fressen, der Dir über den Weg läuft.

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Kommentar von Hildegard Fuhrberg | 06.10.2010

Es gibt viele Männer, die ihr Glück finden wenn sie lernen zuzuhören. Ich leite immer wieder Hochzeitszeremonien bei dem es das ist, was die Braut begeistert hat. Guter Rat ist offensichtlich preiswert.

Kommentar von Ulrich Pommerenke | 06.10.2010

Glück können wir nicht (er-)kaufen und verlangen. Glück kommt immer von innen. Die Geschichte finde ich fantastisch; sie lockt ein Lächeln hervor und doch stockt der Atem, wie sehr wir dem äußeren Schein hinterhecheln.

Kommentar von Martin Lenz | 07.10.2010

Gut, dass er den Schatz nicht ausgegraben und die Maid zur Frau genommen hat. Ansonsten hätte der Wolf einen reichen, vermählten Mann gefressen und dann wäre das Ende der Geschichte doch recht traurig :)

Kommentar von mark hellgoth | 07.10.2010

....warum denn in die ferne schweifen, denn das gute liegt so nah....

doch ist auch von einer zwangsbeglückung die eigenerfahrung etwas getrennt und so hat der held zwar den tod gefunden in seiner hast, aber der schatz liegt noch begraben, die frau darf sich mit ihrer sehn-sucht nach all-ein-sein beschäftigen und der wolf ist für den moment auch gesättigt.
dann mal auf zu meinem eigenen nächsten schritt.
lolkram*;O)

Kommentar von Tobias Peschel | 21.10.2010

Tja, so kann es gehen.......schmunzel
Da hadert man mit dem Schicksal und gibt damit die Eigenverantwortung an Gott ab...und ist am Ende auch noch zu dusselig, die Geschenke zu sehen, die direkt vor den Füßen liegen und einen jeden Tag beglücken. Wer ohne Gier und Eile seinen Weg geht, kann dieses Glück zumeist erkennen. Manchmal reicht es sogar, einfach abzuwarten, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und sich dann glücklich und satt in den Wald zu trollen.....grins

Kommentar von Nadja Galwas | 05.01.2011

Lieber Sebastian, es fühlt sich zwar oft so an, aber offensichtlich sind wir mit unseren einfachsten, tiefsten Fragen nicht allein! Teilen (Kommunikation) macht reich und bringt Glück. In diesem Sinne alles Gute für dich in 2011! Herzlichst, Nadja

Kommentar von Sylvana Wemmel | 08.02.2011

Hallo Sebastian,
eine tolle Geschichte. Genau wie das Leben, sie nur allzuoft beschreibt. Danke einfach super.