I

Initiation

Initiation - abgeleitet von ini tiare (Lat.) = in etwas hineingehen

Initiation wird heute zumeist als Synonym für den Begriff Einweihung gebraucht. Man spricht von einer Initiation, wenn sich die Position eines Menschen dadurch ändert, dass er durch das Lösen von Aufgaben, die Teilnahme an Prüfungen und/oder Zeremonien in eine neue Gemeinschaft aufgenommen wird oder einen anderen Status erlangt. Während früher Einweihungsriten auch in Europa fester Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenlebens waren, sind diese heute entweder verloren gegangen oder durch moderne ersetzt worden, ohne dass dies den Teilnehmern an den neuen Formen der Initiation bewusst wäre. Der Wiener Opernball, die Überreichung des Führerscheines, das erste Komasaufen seien an dieser Stelle genannt. Offenbar gibt es ein tief verwurzeltes Bedürfnis, durch eine äußere Geste für alle anderen Mitglieder innerhalb einer Gemeinschaft sichtbar zu machen, dass sich die eigene Stellung verändert hat.

Mehr zum Thema Initiation findet sich im Blog und unter Rituale.

M

Märchen

Märchen (mittelhochdeutsch Maere = „Kunde, Bericht, Nachricht“) sind Prosaerzählungen, die von wundersamen Begebenheiten berichten. Märchen zählen zu einer bedeutsamen und sehr alten Textgattung in der Mündlichen Überlieferung oder Oralität und treten in allen Kulturkreisen auf. Im Gegensatz zum mündlich überlieferten und anonymen Volksmärchen steht die Form des Kunstmärchens, von dem der Autor bekannt ist. Im Unterschied zur Sage und Legende sind Märchen frei erfunden und ihre Handlung ist weder zeitlich noch örtlich festgelegt.

N

Narrativium

Narrativium ist ein Stoff, der, obwohl unsichtbar, geschmacksfrei, nicht zu spüren, laut- und geruchlos in allen Kulturen und zu allen Zeiten das Wesen der Menschen prägte. Im täglichen Gespräch, beim Hören der Nachrichten und beim Lesen der Zeitung, gleich ob gedruckt oder online, jeder Mensch nimmt täglich eine individuelle Dosis Narrativium zu sich. Mehr als Hormone, Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel, womöglich sogar in höherem Maße als Sauerstoff prägt Narrativium, woran wir glauben und wie wir uns verhalten.

O

Oxytocin

Oxytocin ist ein Hormon (bzw. Neurotransmitter), über welches Männer und Frauen verfügen. Es ist insbesondere für die Steuerung von Vorgängen im Gehirn verantwortlich, die Bindung an andere Menschen ermöglichen, indem entsprechende Hirnschaltkreiuse aufgebaut bzw. aktiviert werden. Beim Mann wird es nach dem Orgasmus vermehrt ausgeschüttet, worauf die berühmt-berüchtigte postkoitale Narkolepsie eintritt. Bei Frauen ist die Konzentration höher. Riecht ein Vater am Kopf eines von ihm gezeugten Säuglings wirkt das Hormon auf die Schaltkreise für Bindungsverhalten positiv ein. Untersuchungen von Neurophysiologen legen nahe, dass auch der Klang harmonischer Stimmen, Streicheleinheiten und ein Gefühl von Geborgenheit mit der Höhe des Oxytocinspiegels zusammenhängen. Wer seinen Kindern Märchen erzählt und sie dabei streichelt, legt aus ihrer Sicht wichtige Grundlagen in deren Gehirnen, um später verlässliche Bindungen in Partnerschaft, Familie und Gesellschaft eingehen zu können.

S

Sage

Die Sage (v. ahd. saga, „Gesagtes“; Prägung durch die Brüder Grimm) ist eine zunächst auf mündlicher Überlieferung basierende, kurze Erzählung von unglaubhaften, fantastischen Ereignissen, die aber als Wahrheitsbericht aufgebaut ist oder auf tatsächlichen Begebenheiten beruht. Damit steht der Realitätsanspruch der Sage über dem des Märchens. Gleich wie im Märchen kommt es oft zur Benennung eines Helden und damit zur Heldensage. Der ursprüngliche Verfasser der Sage bleibt in der Regel unbekannt, der Verfasser einer zugehörigen schriftlichen Fixierung ist dagegen gelegentlich zumindest grob benannt.

Schwankmärchen

Das Schwankmärchen erinnert mehr an eine Groteske oder Satire denn an das übliche Märchengeschehen. Wesen und Prägungen von Menschen, Tieren oder Landschaften werden überspitzt dargestellt, um sich über Schwächen oder auch die vermeintliche Stärke anderer lustig zu machen. Schwankmärchen leben oft von derbem Humor, Polarisierungen und Zoten. Eine besondere Rolle spielen unter den Schwänken die Lügenmärchen, in denen es die Erzähler bewusst darauf anlegen, unglaubwürdige Übertreibungen derart darzubieten, dass menschliche Verfehlungen und Anmaßungen angeprangert werden. Im Gensatz zum Königsmärchen oder Zaubermärchen kann das Schwankmärchen auch im Grunde realistische Handlungen nutzen und auf unerklärliche Wunder verzichten.

Z

Zaubermärchen

Im Unterschied zum Schwankmärchen gibt es im Zaubermärchen zwingend mindestens ein Wunder - also ein mit unseren Naturgesetzen nicht eindeutig zu erklärendes Vorkommnis. Dieses Wunder ist häufig eine Verwandlung, eine Wiederauferstehung, ein scheinbar aus dem Nichts Gaben erzeugender Gegenstand oder Phänomene wie sprechende Tiere, Pflanzen, Steine oder andere Betandteile des Universums. Weiterhin werden physikalische Gesetze aufgehoben, das Wetter spielt verrückt, Tag und Nacht werden vertauscht, lineare herkömmliche Zeitvorstellungen gelten nicht mehr. In der Heilkunst mit Märchen spielen gerade diese Motive eine besonders wichtige Rolle.